Texte Anja Bölck

Auswahl an Beiträgen und Fotografien von Anja Bölck

Gut gerüstet zwischen Himmel und Erde

Der Ingenieur Horst Haker bewahrt mit einem selbst entworfenen Gerüst den Turm des Schweriner Doms vor dem Verfall

Horst Haker fotografiert von Anja Bölck
Horst Haker fotografiert von Anja Bölck

Wie Akrobaten tänzeln sie auf dem Dach herum. Waghalsige Männer in schwindelerregender Höhe. Getragen von einem schwebenden Gesteck aus Aluminiumrohren. Was wäre aus dem Schweriner Dom geworden ohne jene mutigen Handwerker? Und was wäre aus ihm geworden ohne Horst Haker?
Mit einem selbst entworfenen Hängegerüst rettete der Statiker den Domturm. „Wir mussten was tun“, blickt der Schweriner, der Anfang 1966 Kirchlicher Baubeauftragter wurde, zurück. „Nicht nur am Turm. Überall im Dach waren Löcher zu stopfen, durch die ganze Laster durchgepasst hätten.“ 1966 – da war an den Kirchen und Pfarrhäusern schon seit 35 Jahren, seit der Wirtschaftskrise, im Wesentlichen nichts mehr gemacht worden. Frühjahrs- und Herbststürme rissen Dachplatten von den schiefergedeckten Kirchtürmen. Horst Haker, damals noch blutjung, fühlt sich vor eine große Aufgabe gestellt. Dabei war eigentlich alles ganz anders geplant.
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Schüchterne Elefanten und vollmundige Matroschkas

Die Schwerinerin Nadja Bossert versucht mit einer Knet Confiserie ihr Glück

Nadja Bossert fotografiert von Anja Bölck
Nadja Bossert fotografiert von Anja Bölck

Nadja Bossert sitzt. Guckt. Sitzt weiter. Guckt wieder. Sie spürt die Wärme des Backofens im Gesicht. Sitzt und guckt. Ein ganzes Blech voll mit kleinen Minipizzas. Oder was sind das da für Dinger? Keine blubbernde Tomatensoße, kein tropfender Käse. Pizzas mit Gesichtern? Matroschkas mit dicken Lippen, die sich verziehen, als ob sie etwas Saures probiert haben?
Nadja Bossert amüsiert sich jedenfalls köstlich beim Anblick der schmollenden Münder. Sie selbst hat die Augen, Nasen und Lippen hineingedrückt in die weiche Masse, die sich Polymer Knete nennt und mit der sich so wunderbar Schmuck herstellen lässt.
Die junge Frau mit dem geflochtenen Haar knetet für ihr Leben gern. Beinahe wie ein kleines Mädchen. Aber sie ist längst kein Mädchen mehr und sie weiß ganz genau, was sie hier tut.
Unter dem Namen Knet Confiserie stellt sie Schmuck mit einer Technik her, die niemand anderes beherrscht als sie. Nadja Bossert ist ein Neuankömmling unter den Schweriner Kunsthandwerkern, die sich am Ziegenmarkt und in der Münzstraße niedergelassen haben und von Jahr zu Jahr mehr werden.

Die Idee, Schmuck aus Knete herzustellen, kam der jungen Frau bei einer Russlandreise. Auf einem Basar fielen ihr Ohrringe und Ketten mit Blumenmotiven ins Auge – handgeknetet. Von da an konnte sie ihre Finger nicht mehr stillhalten. „Ich wollte etwas aus diesem Material machen, was es noch nicht gibt“, erinnert sie sich. „Ich habe herumexperimentiert, nächtelang.“ Inzwischen ist es ihr gelungen, amüsante Tier- und Menschengesichter in die Knete zu formen. Sechs bis zehn Stunden fertigt sie hierzu eine lange Wurst an, in der sich das Motiv von vorne bis hinten durchzieht. Wie sie das hineinbekommt, ist ihr Geheimnis. „Keiner kann nachvollziehen, wie ich das mache“, sagt sie schmunzelnd. „Ich baue einfach alles von innen nach außen auf.“ Mit dem Ergebnis, dass sie anschließend die Wurst in Scheiben schneiden kann und so je nach Bedarf neue Kettenanhänger, Ohrringe, Broschen oder Knöpfe gewinnt. Auch Kinderbesteck verschafft sie mit Tiermotiven wie schüchternen Elefanten und glubschigen Schildkröten ein fröhliches Aussehen.
Verblüffend ist, wie lange sich die Schwerinerin mit diesem Material beschäftigen kann. „Mit Knete zu arbeiten beruhigt unglaublich“, sagt sie mit entspanntem Lächeln, „Das ist für mich wie meditieren, ich merke nicht, wie die Zeit vergeht.“ An manchen Tagen wandern Nadja Bosserts Gedanken zurück in die Kindheit. Weit weg nach Sibirien, wo sie aufgewachsen ist. „Meine Zwillingsschwester und ich haben uns als Kinder viel selbst beschäftigt“, blickt sie zurück. „Wir haben sehr viel geknetet und Spielzeug nachgebaut und wir sind viel draußen gewesen.“
Als Nadja Bossert zehn Jahre alt ist, ändert sich einiges in ihrem Leben. Ihre Familie zieht 1993 nach Deutschland. Anfangs nach Sachsen, wo es Nadja gefällt. Doch wegen der Arbeit siedeln sie alsbald nach Stuttgart über. Hier bekommt das junge Mädchen Kälte und Vorurteile zu spüren. „Wir wohnten in einer Art Getto mit anderen Aussiedlern zusammen. Dadurch hatten wir einen schlechten Ruf. Kinder aus anderen Stadtteilen ließen uns das spüren, sie plapperten nach, was ihre Eltern sagten. Etwa, dass wir ganz viel Leistung vom Staat erhalten, dicke Autos fahren und sie die Steuer bezahlen müssen.“
Über die Sprache stolpert Nadja nicht. Ihre Eltern konnten Altdeutsch und bereits in Russland hatten die Kinder Unterricht bei einem Privatlehrer. Doch das beste Deutsch half ihr nicht dabei, die Sachsen und Schwaben zu verstehen. Nadja geht ihren Weg, obwohl sie sich in der Ecke nicht wohl fühlt. Sie studiert Medien in Stuttgart und ist fasziniert vom Puppentrickfilm. Zusammen mit ihrer Schwester dreht sie einen eigenen Streifen. Sie bauen die Figuren, die Kulisse, die Animation, äffen die Stimmen nach. Eine Mammutarbeit. Der kurze Film ist so gut, dass er 2007 auf dem Kinderkanal Kika gezeigt wird.
Am Ende des Studiums begibt sich Nadja auf eine halbe Weltreise. In Australien lernt sie ihren Freund kennen, einen gebürtigen Ludwigsluster. Gemeinsam wohnen sie eine Weile in Hamburg zusammen. Doch die Stadt ist ihnen zu groß, Ludwigslust dagegen zu klein. Nadja Bossert verliebt sich in Schwerin und überzeugt ihren Freund im Jahr 2011 in die kleine Landeshauptstadt zu ziehen. Hier fühlt sie sich auf Anhieb wohl. „Die ostdeutsche Mentalität ähnelt eher der russischen“, sagt die junge Frau und durchquert den Laden, den sie sich seit ein paar Wochen mit zwei anderen Kunsthandwerkerinnen, einer Silberschmiedin und einer Wollgestalterin, teilt. Auf ihrem Schreibtisch stehen einige Figuren aus dem Kika-Trickfilm. Demnächst will die 29-Jährige wieder ein Projekt wagen. Einen Knettrickfilm. Einen, der mit geringem Aufwand große Wirkung erzielt. Ihre Zwillingsschwester, die heute in Australien lebt und auch zu den Kreativen gehört, hat sie dabei wieder mit ins Boot geholt. Nadja Bossert ist eine Verfechterin der langsamen Erzählweise. Sie verabscheut die schnellen Kinderfilme, mit denen private Sender aus Verkaufsgründen die Lütten an den Bildschirm fesseln. „Alles, was langsam ist, kommt den Kleinen dann langweilig vor. Es ist schwierig, sie trotzdem zu begeistern.“
Nadja Bossert selbst kann sich an Vielem erfreuen. Daran, mit Nachbarshunden spazieren zu gehen, die Natur zu genießen oder Salsa zu tanzen. Und natürlich an ihrer Arbeit. Die frisch gebackene Knet Confiserie läuft gut an. Immer häufiger steigen Kindergeburtstagspartys im Laden. Begeistert wühlen sich Sechsjährige durch einen Haufen bunter Knete und fabrizieren die tollsten Sachen, wie Nadja findet. Anschließend backt sie alle Figuren wie Plätzchen. Dann sitzt sie wieder und guckt. Spürt die Wärme des Backofens auf ihrer Haut. Sitzt und guckt.

BU: Nadja Bossert hat genug Knete. So viel, dass die frisch gebackene Schwerinerin mal eben eine Knet Confiserie eröffnete. Nun stellt sie Schmuck für kleine und große Mädchen her.

Schwerin Live – Das Monatsmagazin für die Landeshauptstadt Schwerin

Rendezvous mit Mama Chocolate

Weltenbummlerin Gunhild Nienkerk verwöhnt frisch gebackene Eltern

Babygeschrei erlaubt: Gunhild Nienkerk lebt in ihrem Café Mama Chocolate mehr Menschlichkeit aus.
Babygeschrei erlaubt: Gunhild Nienkerk lebt in ihrem Café Mama Chocolate mehr Menschlichkeit aus.

Wer einmal Frauen mit weißen Bärten sehen möchte, sollte bei Gelegenheit durch die Fensterscheibe von Mama Chocolate schauen. Hier probt nicht etwa das weibliche Geschlecht den Auftritt als Weihnachtsfrau. Nein, es sind junge Mütter, die genüsslich ihren Schaum beladenen Milchkaffee schlürfen.
Und was für ein Schaum! Gunhild Nienkerk hat lange geübt, um ihn so hinzubekommen.Genaugenommen ein Jahr, denn so lange gibt es ihr Café in der Friedrichstraße jetzt. Vorbeischlendernde, die Mama Chocolate anfangs mitleidig belächelten („Na, ob das was wird?“), hat sie eines besseren belehrt. Zu Spitzenzeiten schmiegen sich 14 Kinderwagen aneinander. Es scheint, als fühlten sich die Mütter hier wohl.
Sie lümmeln an Tischen oder auf Bodenkissen, schnattern, genießen ihren Kaffee und brauchen sich nicht zu schämen – Babyschreien ist erlaubt, Spielzeug genug da.
Derweil lenkt Gunhild Nienkerk mit einer gelungenen Mischung aus Nähe und Distanz das mal ruhige, mal quirlige Treiben im Café. Dabei huschen immer wieder Funken der Zufriedenheit über ihr Gesicht. Alles ist so, wie sie es sich selbst gewünscht hätte, als ihr Sohn, heute zehn Jahre, noch ein Säugling war. „Damals hatte ich gerade mein BWL-Studium hinter mir und wollte nicht permanent über Windeln wechseln reden“, erinnert sich die 35-Jährige. „Andererseits gab es in meinem Freundeskreis noch niemand mit Kindern. Ich fühlte mich irgendwie zerrissen und hätte gern einen Platz gehabt, wo ich hingehen kann, um anderen über die Schulter zu gucken. Doch solche Orte gab es noch nicht.“

Manches hat sie sich im Ausland abgeguckt. Fotos: Anja Bölck
Manches hat sie sich im Ausland abgeguckt. Fotos: Anja Bölck

Wie es der Zufall will, lernt Gunhild Nienkerk schon einige Zeit später eine ganz andere Welt kennen. Sie gewinnt eine Reise nach Ägypten. Dort gefällt es ihr so gut, dass sie im Jahr 2004 beschließt, mit ihrem Sohn zu bleiben. Während sie auf einer Tauchbasis arbeitet, geht Jakob in einen englischen und später holländischen Kindergarten. Gunhild Nienkerk staunt, wie offen die Menschen in diesen Ländern mit den Kleinen umgehen, wie sie die Kinder in ihr Leben einschließen. „Auch auf meinen späteren Reisen stieß ich auf diese Wärme“, so die Schwerinerin. „Hier in Deutschland wird zwar viel getan für Kinder, aber es fehlt das Herz.“

Nach mehreren Monaten im Ausland zieht es Gunhild Nienkerk wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurück, vorerst nach Rostock. Doch schon bald ertappt sie sich dabei, wie sie ständig zu den Eltern und Freunden nach Schwerin fährt. Sie heuert als Teamleiterin in einem Call Center an und erkennt: „Das ist nicht mein Metier.“ Als sie sich arbeitslos meldet, spürt sie erneut den lang verborgenen Wunsch heranreifen, etwas für Kinder zu schaffen. „Ein Café fehlte noch in meinem turbulenten Lebenslauf “, sagt die aufgeweckte Jungunternehmerin, die in ihrer Freizeit gerne herumreist, auf der Gitarre klimpert oder sich im Kitesurfen übt. Und so lief sie zur IHK, beantragte einen Kredit, schrieb ein Konzept und suchte sich Räume. Die Friedrichstraße, ein Tipp ihrer Freundin, schien ihr perfekt. Günstige Miete, ruhige Lage und die Laufstrecke der Kinderwagenmuttis.

Doch auch Väter in der Elternzeit schauen gerne vorbei. Hin und wieder schweift Gunhild Nienkerks Blick nach draußen. Wenn ihr Freund, der Rikscha- Fahrer, vorbeiradelt, winkt sie ihm zu. Gunhild Nienkerk hat viele Ideen. Mama Chocolate soll mehr als nur ein Café sein. Ob Stillberatung oder Tragetuchkurse – sie serviert den Müttern passende Ansprechpartner für Themen, die sie brennend interessieren. „Wer mit seiner Lebenssituation nicht klar kommt, auf finanziellen Problemen sitzt oder einfach nur Ärger mit den Schwiegereltern hat, kann jeden Freitagvormittag zur Sozialberatung vorbeischauen“, so Gunhild Nienkerk. Seit neuestem lädt sie Sonntagmorgen ab 10 Uhr Alleinerziehende ein. All jene, die an diesem „Familientag“ nicht wissen, wo sie hinsollen. Und jetzt zur Weihnachtszeit wird bei Mama Chocolate jeden Nachmittag um 16.30 Uhr ein klitzekleines Märchen vorgelesen.

Schwerin Live – Das Monatsmagazin für die Landeshauptstadt Schwerin

Neues Forum in Norden getragen

Mitarbeit am Mecklenburger Aufbruch,
Textbeispiel aus der Sonderausgabe

Mecklenburger Aufbruch

Mit 30 Jahren gehört der Schweriner Martin Klähn nicht nur zu den Jüngsten, die am 9. und 10. September 1989 auf der Gründungsveranstaltung des Neuen Forums in Grünheide als Erstunterzeichner anwesend sind. Er ist auch der einzige Vertreter aus dem Norden der DDR. Kaum zurück in Schwerin, verwandelt sich seine Wohnung in einen der Dreh- und Angelpunkte des Neuen Forums in der Region. Mit der Folge, dass vor seinem Haus die Stasi auf und ab spaziert, um all jenen Angst einzujagen, die kommen, um den Aufruf zu unterschreiben. Gezielt beginnt man, seine Familie einzuschüchtern. Und in Klähns Betrieb, dem Schweriner Wohnungsbaukombinat, ziehen plötzlich fremde Herren ins Büro nebenan. Beim Essen sitzt er alleine, da viele Kollegen ihn schneiden. Doch es gibt auch welche, die ihm helfen, die heimlich und mühsam den vom ihm mitgebrachten Aufruf des Neuen Forums abtippen und unter die Leute bringen.

Heute, 30 Jahre später, empfindet Martin Klähn den damaligen Gründungsaufruf als eher harmlos. „Der Text klang keineswegs staatsfeindlich, einfach nur ehrlich und offen. Die meisten, die ihn lasen, konnten sich hinter die Positionen stellen. Und so bekam das Ganze eine eigene Dynamik.“ Gemeinsam mit der Gemeindepädagogin Uta Loheit stellt er zehn Tage, nachdem er aus Berlin zurück ist, beim Rat des Bezirkes Abteilung Inneres den Antrag, das Neue Forum als politische Vereinigung nach Vereinsrecht der DDR anzuerkennen. Derweil melden auch Bärbel Bohley und Katja Havemann das Neue Forum für die gesamte DDR an. Daraufhin erklärt das Innenministerium die Bürgerbewegung für staatsfeindlich. Und so bekommen auch Uta Loheit und Martin Klähn in Schwerin eine Abfuhr.
Was sie nicht davon abhält, am 2. Oktober 1989 zur Gründungsversammlung einzuladen. Mehr als 800 Menschen drängen in die Schweriner Paulskirche. Wenige Tage später, am 23. Oktober, organisiert das Neue Forum die erste Montagsdemo. Und so demonstrieren an diesem Abend plötzlich 40 000 Menschen für das Neue Forum, gegen die SED und für Veränderungen in der DDR. Für Martin Klähn gehören diese Tage zu den herausragendsten seines Lebens.

Mecklenburger Aufbruch, Sonderausgabe der Stiftung Mecklenburg

Schaulustige machen lange Hälse und große Augen

Lübzer Paar stellte mit Erfolg eine Straußenfarm auf die Beine

Irgendwo in Afrika könnte die Straußenfarm von Monika Helfrich und Frank Löhr liegen. Niemand würde es merken. Wären da nicht die saftigen grünen Wiesen. Mitten im kalten Norden, am Rande der Stadt Lübz, haben die beiden ihre Farm aus dem Boden gestampft. Seitdem reckt nicht nur das Federvieh die Hälse. Schaulustige aus nah und fern kommen in den Sommermonaten vorbei, um die imposanten Straußenherden vor einzigartiger Naturkulisse zu beobachten.


Die Erfolgsstory der Straußenfarm Riederfelde begann an einem gewöhnlichen Fernsehabend, zu dem sich das Paar Monika Helfrich und Frank Löhr mit Sohnemann Leon auf dem Sofa versammelte. „Wir sahen einen Bericht über eine Straußenfarm“, erinnert sich Monika Helfrich. „Von da an ließ uns das Thema nicht mehr los. Es war einfach eine Bauchgeschichte. Nie zuvor hatten wir solch eine Farm gesehen oder eine Reise nach Afrika unternommen. Mein Mann bewirtschaftete zu der Zeit als gelernter Landwirt ein paar Kleintiere nebenher. Er schwärmte immer, dass er da noch mal die Herausforderung suche.“

Und die lag nun vor ihnen. Am 1. Oktober 2004 starteten sie mit 14 Kücken. Ein Jahr später eröffneten sie in Riederfelde den Hofladen. Inzwischen tummeln sich auf ihrem 18 Hektar großen Gelände je nach Jahreszeit zwischen 130 und 200 Tiere. Im Frühjahr pickt sich der Nachwuchs aus den Eiern. Heiß begehrt sind hingegen jene Exemplare, die nicht im Brutkasten verschwinden. „Seit wir im vergangenen Jahr unseren Online-Shop einrichteten, ist die Nachfrage ungebrochen groß“, stellt Monika Helfrich fest. „So ein Riesenei hält sich ungekühlt bis zu sechs Wochen und entspricht 20 bis 24 Hühnereiern. Da wird das Rühreimachen zur Attraktion.“

Ansonsten geht es auf der Straußenfarm Riederfelde aber vor allem um das Fleisch. Das Monika Helfrich übrigens für eines der schmackhaftesten und gesündesten überhaupt hält. „Unsere Tiere laufen auf ungedüngter Weide, erhalten einheimisches Futter und keinerlei Medikamente. Es ist ökologisches Fleisch, auch ohne Biosiegel. Ich denke, diese Schiene fahren die meisten Straußenzüchter.“ Schnell hat das Paar festgestellt, dass die großen Laufvögel sich niemals für die Massentierhaltung eignen. Zu aufwändig sei die Zucht und die Fleischausbeute zu gering. Aber, dass sie selbst einmal von ihren Tieren leben können, darauf arbeiten sie hin. Noch ist es für sie nur ein Nebenerwerb. Aber wenn Monika Helfrich im Sommer die vielen Leute sieht, die fasziniert am Zaun stehen und die Strauße mit Gras füttern, fühlt die 51-Jährige Stolz in sich aufkommen. „Im Zoo gibt es meist nur zwei, drei Tiere zu sehen. 50 bis 60 dieser Vögel zu beobachten, ist schon toll.“

Doch was so idyllisch aussieht, ist harte Arbeit. Frank Löhr steigt morgens um vier aus den Federn, kurz danach seine Frau. Abends halb neun ist Feierabend, sieben Tage die Woche. So etwas hält nur aus, wer mit Leib und Seele bei der Sache ist. Gut, dass ihr jüngster Sohn Leon ihre Leidenschaft teilt. Ihren Mann nennt Monika Helfrich liebevoll Straußenflüsterer. „Ich kümmere mich um das Kaufmännische, den Onlineshop und Hofladen und er hat ein Händchen für die Tiere“, sagt sie. Dressieren ließen sich die Vögel mit den großen Augen und geschwungenen Wimpern, die im Sprint bis zu 70 km/h schnell werden, jedoch nicht. Im Gegenteil, vor allem in der Balzzeit seien sie sehr gefährlich. „Mit einem gezielten Tritt nach vorne können sie sogar einen Löwen töten.“ Nicht selten hat Monika Helfrich erlebt, wie ihr Mann aus dem Gehege über den 1,80 hohen Zaun flüchten musste.

Nicht auf der Flucht, sondern ins Abenteuer stürzten sich Monika Helfrich und Frank Löhr im vergangenen Jahr auf ihrer ersten Afrika-Reise. „Es war an der Zeit zu gucken, ob wir alles richtig machen“, so Monika Helfrich. „Schließlich gilt Südafrika als Hochburg der Straußenzucht. Das Fleisch ist dort ein Nationalgericht.“ Zufrieden stellten die beiden fest, dass alle Farmen ähnlich gestrickt waren, wie die ihrige Zuhause. Mit frisch geknüpften Kontakten traten sie die Heimreise an.

Mit wehenden „Federn“ wollen die beiden von der Straußenfarm Riederfelde auch wieder auf der Grünen Woche in Berlin auf sich aufmerksam machen. Neben Produkten aus hochwertigem Straußenleder und Schmuck brachten sie eine medizinische Kosmetikserie auf den Weg. „Außerdem haben wir eine neue Salami im Gepäck sowie zwei Wurstsorten, die erstmals zu 100 Prozent aus Straußenfleisch bestehen“, verkündet Monika Helfrich. „Die dürften vor allem für all jene interessant sein, die sich gesund ernähren oder aus Glaubensgründen auf andere Wurstsorten verzichten müssen.“

www.gruene-woche-mv.de, die Grüne Woche in Mecklenburg-Vorpommern im Netz

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